Spielen lernen der Sackpfeife



Einführung

"Ist denn das Erlernen des Dudelsackspieles schwierig?"
Diese Frage bekomme ich natürlich oft genug zu hören und kann immer wie folgt antworten:
"Nein, überhaupt nicht!"
Wenn man 2 gesunde Hände hat, nicht gerade Asthmatiker ist und ein wenig Ehrgeiz besitzt, kann man innerhalb weniger Übungsstunden schon die ein oder andere kleine Melodie spielen.

"Ich kann aber auch keine Noten lesen" ist noch eine typische Frage
Für Sackpfeif-Solisten eigentlich überhaupt kein Problem. Die meisten Sackpfeifer, die ich kenne, haben ohne Notenkenntnisse das Spielen erlernt. Noten sind natürlich schon wichtig wenn man in der Gruppe spielt, denn da muss sich dann jeder an die Vorgaben halten! Zum erlernen kann man aber auch gut nach Gehör Melodien nachspielen, z. B. einfache Kinderlieder die man im Ohr hat. Man wird dadurch nicht durch das Notenlesen abgelenkt und kann sich voll auf das Instrument konzentrieren

Die einfache Griffweise aller hier angebotenen Spielpfeifen / Schalmeien ist der von Standard-Schulblockflöten sehr ähnlich. Wer also vor hat, sich einen Dudelsack zu kaufen, kann wärend der Wartezeit schon mal mit der Flöte Melodien einstudieren, die man dann später auf dem Dudelsack leichter umsetzten kann (siehe hierzu dann auch die Grifftabelle für Schalmei / Rauschpfeife)
Dudelsäcke anderer Bauart und Hersteller haben allerdings teils abweichende Griffvarianten, wie z. B. die Great Highland Bagpipe mit halboffener Griffweise, oder den Schäferpfeifen und auch Hümmelchen mit französischer / barocker Griffweise. Böhmische Böcke haben die sogenannte geschlossene Griffweise. Hier kann das Erlernen etwas komplizierter sein, mit entsprechender Hilfestellung aber auch kein Problem.

Nachfolgend eine kleine Hilfestellung zum autodidaktischem Erlernen des Dudelsackspiels in 4 Schritten:

Der 1. Schritt - Training Atemtechnik

Die größte Schwierikeit ist wahrscheinlich die richtige Atemtechnik zu finden. Das Koordinieren von Balg aufblasen und dem Wechsel zum Drücken mit dem Arm auf den Balg (beim Atmen, Ratschen oder Trinken) muss erst einmal eingeübt werden. Hier machen Anfänger oft den Fehler, dass mit dem Arm der Balg festgeklemmt wird, und beim Aufblasen des selbigen natürlich der Gegendruck im Sack erhöht wird. Somit kommt der ungeübte Pfeiferazubi schnell an die Grenzen seiner Kondition.
Also: nicht gleichzeitig blasen und drücken!
Am besten ist es, wenn man zuallererst die Spielpfeife aus dem Sack entfernt und dann den Spielpfeifenstock mit einem Korken verschließt. Sollte die Sackpfeife über mehrere Bordunen verfügen, nur den Hauptbordun "offen" lasen und die anderen Bordunen ebenfalls abstellen oder zukorken. Nun kann man beginnen, ganz entspannt den Balg aufzublasen und dann den Balg LOCKER  unter den Arm zu nehmen. Dabei sollte man immer aufrecht mit erhobenem Kopf STEHEN (sitzen ist schlecht fürs Zwerchfell).Wenn der Druck im Sack eine gewisse Höhe erreicht hat, wird der Bordun zu brummen beginnen. Der Sack sollte immer schön prall gehalten werden. Solange der Atem ausreicht den Druck konstant zu halten (man sollte nicht blau anlaufen...) pustet man weiter in das Anblasrohr. Wenn es Zeit zum Atmen wird läßt man RECHTZEITIG (wie gesagt nicht blau werden...) den Druck der Lunge immer mehr nach, übernimmt aber dann gleichzeitig mit dem Arm das Drücken und hält somit den Luftdruck möglichst gleich. Hier ist es nun ganz wichtig auf den Bordunton zu hören. Der Ton sollte zu beginn halbwegs gleich bleiben und nicht zu EIERN beginnen. Probiert den Wechsel so lange, bis der Bordunton sauber "steht" und Ihr das ganze recht entspannt machen könnt (immer genau HINHÖREN).

Wenn Ihr das geschaft habt, ist das folgende dann eigentlich ein Klacks!

Der 2. Schritt - Spielen mit Spielpfeife

Stöpselt nun die Spielpfeife wieder in den Sack und macht den Bordun dicht. Man kann so nun nochmal das Spielen auf der Spielpfeife mit wenig Luftverlust üben und somit locker schon mal ein paar einfache Lieder (am besten eignen sich auch ganz simple Kinderlieder die man im Gehör hat) einstudieren. Dabei immer auf gleichen Spieldruck achten (genau auf die Töne HÖREN)

Wichtig: Für Schritt 1. und 2. gilt zu Beginn, dass man Anfangs maximal 5-10 Minuten am Stück übt. Dann sollte man wieder eine Pause einlegen und neue Kraft schöpfen. Zu Beginn kann das Üben schon ganz schön anstrengen. Bei regelmässigen Übungsintervallen steigt auch zusehens die Kondition man kann dann den 3. Schritt vorbereiten
Ebenfalls ein wichtiger Hinweis zum Ein- und Ausstöpseln von Spielpfeife und Bordunen. Achtet EXTREMST  darauf, dass Ihr mit den Rohrblättern nicht an den Innenwänden der Stöcke reibt (durch schiefes einsetzten) oder sonst irgendwo anstoßt. Die Rohrblätter sind das Empfindlichste an den Säcken und sollten dementsprechend wie rohe Eier behandelt werden. Ein kleiner Riss oder Knick in den Doppelrohrblättern oder Aufschlagzungen kann das Spielvernügen schnell beenden.

Der 3. Schritt - Töne trennen

Nun fällt dem angehenden Sackpfeifer auf, dass man eigentlich nur Dauertöne spielen kann. Man kann keine zwei einzelnen Noten mit gleicher Tonhöhe getrennt anspielen wie mit der Flöte oder der mundgeblasenen Schalmei / Rauschpfeife. Hier behilft sich der Dudelsackspieler mit sogenannten Vorschlagnoten. Es wird kurzzeitig zwischen den gewünschten Noten kurz der nächsthöhere oder -tiefere Ton angespielt. Dies erreicht man durch das rasche Anheben und Senken des nächsten Fingers, bzw.nächsten Tonloches. Gleiche Prozedur natürlich mit dem darunterliegenden Tonloch / Finger. Durch diese Aktion erreicht man eine akustische Tontrennung - für den Anfang!

Später können statt den einfachen Vorschlagnoten auch aufwendigere Triller und Verzierungen eingesetzt werden. Das ist aber dann für den fortgeschrittenen Musikus nur Übungssache und soll hier nicht weiter vertieft werden.

Der 4. Schritt - Alles zusammen

Wenn man seine Kondition nun durch vorhergehende Schritte ausgebaut hat kann man nun zur Melodie der Spielpfeife den Hauptbordunen dazulaufen lassen. Die Begleitung des Borduns untermalt die dargebrachten Melodien und lässt das ganze Spiel voller wirken. Dies ist natürlich dann schon wieder anstrengender - aber wie gesagt die Kontition wächst ständig. Wenn man sich dafür fit hält kann man natürlich weitere Bordunen mitlaufen lassen


Zum Schluss

Die vorgenannten Schritte sollen nur als kleine Lernhilfe fungieren, ersetzen aber natürlich keinen vollwertigen Dudelsackunterricht / Kurs. Ob diese unbedingt zum Erlernen dieses Instrumentes wichtig sind lasse ich jetzt mal im Raum stehen. Ich bin der Meinung, dass man mit Ehrgeiz und gutem Gehör sehr schnell gute Ergebnisse auch alleine erreichen kann.

Wer bei mir einen Dudelsack erwirbt und hier persönlich abholt bekommt natürlich auch eine Einweisung zum Spiel mit dem neuen Instrument!
Auf Anfrage können aber auch Kurse / Übungsstunden bei einem Spielmannskollegen vermittelt werden.

Lasst Euch aber einfach Zeit, und habt Spaß - es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

..........................
.........................................................